Der Versuch mit einem „ich habe“ gegen ein „ich liebe dich“ zu kämpfen.

Ich habe gedacht ich würde deine Trampelpfade nehmen.  Habe in deinem Blau keinen Stolz gesehen und es auf den Nebel geschoben.  Dann gehofft auf dem Gipfel meine Fahne an deine zu lehnen. Mir mein „liebst du mich?“ bis zum Ziel aufgehoben. Ich habe dich barfuß in den hitzigsten Debatten bekämpft. Habe gemerkt, dass nicht nur Füßen Hornhaut bekommen….

Steinschleuder-Rebellen

Ewige Tränen, gewässert von DopamindiebenProdukte der Schwarzmalerrei;  – Kirchenliederemotionen.Selbst und Zweifel; –  Hoffnungssiebenwenn sie auf Exkursionen. Die Hoffnung tot. Und Kraft und Mutund was die Menschheit nährt und mehrt,Selbst und Mord durch Trauergutwenn sie an Gefühlen zehrt.Die Zukunft tot. Kein heut‘ kein morgen.Das Lachen erstickt an Schwarz und Nacht,im unendlichen Nichts das Schöne verborgen – im…

Aus einem Punkt wird schnell ein Fragezeichen.

Ich formulierte langsam die drei Worte und wollte einen Punkt setzen.  Kein aber dulden.  Mit möglichst vielen Euphemismen verletzen.  Kein weil schulden.  Unseren Sonnenuntergang durch den eigenen Horizont ersetzen. Habe den Brief wikipediatauglich gemacht,mich an Merkelaussagen probiert, damit nicht nur nüchterne Tage verbracht, schließlich unsere Flugzeuge zum Absturz verführt. Habe unsere Geschichte mit Kreide geschrieben,  die Schönheit…

“Vor dem Gerichtstermin prüfe ich mein Erscheinungsbild.” – #metoo

In einem Laden in Stuttgart möchte ich einem fremden Kind ein Auto kaufen. Das Kind steht mit dem Plastikauto, das irgendwann die Umwelt verschmutzen wird, vor der Mutter. “Ich möchte das haben”, hörte ich und erwartete Sätze, die ich nie vergessen werde. – “Bald ist Weihnachten.” – “Du hast genug Spielzeug zuhause.” – “Man kann…

Erfahrungsbericht über meinen Ramadan: „Du darfst auch nicht trinken?“ 

Ich verbringe anscheinend 50 Prozent des Tages in der Küche. Und so weht mir die Kälte des Kühlschranks erneut entgegen. Mein Blick fällt auf die Wasserflasche, dann auf die tickende Uhr. Allgemein scheine ich die Küche in meinem Alltag stündlich aufzusuchen, um all die Dinge zu machen, die heute nicht erlaubt sind. Letztendlich putze ich meinen…

Warum man im Wartezimmer nicht flirten sollte.

Stuttgart: Nach einem Blick in die ausgelegten Boulevardzeitungen überlege ich, ob ich vielleicht doch eine Magen-Darm-Grippe habe. Letztendlich führt aber der sexistische Inhalt zur Übelkeit. Zudem befinde ich mich in der Hals-Nasen-Ohren-Praxis, auch wenn ich beim Anblick dieser Zeitschriften sehnsüchtig an die Augenentzündung der vergangenen Woche denke. Die Person, die mir gegenüber sitzt und ein…

Der Fisch, der aus dem Fenster fiel.

Was er wohl gedacht haben mag? Vergisst ein Fisch im Flug, dass er aus dem Fenster fiel? Fiel seine Welt in sich zusammen, oder nur er selbst? Und sollte ich einen Text über diesen Fisch schreiben oder ist das Internet voller als ein Aquarium in der Tierhandlung ? In diesen Zeilen möchte ich erklären, wie…

Warum Stuttgarts Türken nicht „Ja“ gesagt haben.

“Unterstützung für Erdogans Kurs: Stuttgarts Türken sagen Ja”, titelte die Stuttgarter Zeitung. Im Artikel kommen Wähler aus Stuttgart zu Wort. Worte findet die Redaktion viele. Zahlen finden sich – außer die Altersangaben der Zitatgeber – wenige. Statistiken oder Einordnungen scheinen auf der Facebook-Seite nicht angesagt zu sein. Und so schließt C. Hilgarth in der Kommentarspalte…

Ein Friseurbesuch in Stuttgart.

Ich denke, dass im eigentlichen Geschäftsmodell der Salons ein Psychologe im Wartezimmer inbegriffen sein sollte. Die Dauerwelle meiner Nebensitzerin stellt sich den andauernden Gesprächen über ihren Mann und verliert den Konkurrenzkampf, denn gegen eine gescheiterte Ehe kommt auch kein Haarspray an. Ich versuche einen beschäftigten Eindruck zu machen, damit die Privatsphäre meiner Nebensitzerin, der vergangenen…

Mein Kreislauf nach den Meldungen aus Berlin: „Ich sollte meinen Freunden eine Nachricht schreiben.“

Als mein Daumen über das Display wandert und das Geschehen verfolgt, herrscht im Hauptbahnhof der Alltag. Während meiner Wartezeit vermisse ich die Weltmeisterschaft. Damals wurde auf das Ergebnis eines Spiels gewartet und dann kommentiert. Ich lese die Kommentare, die das Futter der redaktionellen Zehnfingersysteme interpretieren und instrumentalisieren. Ich vergesse mit einem Daumenklick, dass diese Kommentare…

“Wir schaffen das” und die Gegenfrage.

„Das möchte ich in diesem Jahr von meiner Liste streichen“, dachte ich im vergangenen Jahr in einem Monat wie diesem. Eine Liste gebastelt aus einem Das und verschiedenen Nomen, die meine Ziele zumindest in einem Worddokument offenbarten. Ein Worddokument, das am Silvesterabend gespeichert wurde und an einem Tag im Januar im Papierkorb verschwand. An diesem…

Sexismus in Stuttgart: “Männer, die Frauen retten und Männer, die Frauen missbrauchen.”

Ich durchquere die Unterführung der Bahnstation in Zuffenhausen. Vor einigen Wochen- es müsste ein Montag gewesen sein – erwachte ich und lebte in einem Land, das die Würde der Frau schützen und anerkennen wollte. Da schrieben die Redaktionen mit ihren männlichen Chefredakteuren über das Frauenbild der Flüchtlinge und meine männlichen Mitmenschen, die eigentlich über den Feminismus lachten,…

Der Weltweihnachtszirkus, der keinen Applaus verdient.

Kinder mit rosigen Wangen knabbern am Popcorn und ein Clown betritt die Manege. Sie folgen jedem Augenzwinkern des rotnasigen Alleinunterhalters und ihr Lachen erfüllt das Zelt. Die Erwachsenen reagieren auf das Lachen ihrer Kinder mit einem Schmunzeln.  Währenddessen läuft in der Stadt die Vorführung der friedlichen und traditionellen Weihnachtszeit. Zwischen Glühwein und Lichterketten kämpfen Menschen für die christliche Nächstenliebe und…

„Warum schauen die so? Die haben keine Ahnung.“

Deine müden Augen leuchten im Bildschirmlicht, das sich in den Glasscheiben spiegelt. Augenblicke sind hier die Blicke der Mitfahrer, die nur Sekundenzeigerlängen in meinen Augen verweilen. ’Was schauen die so“, denkst du, während sich deine Gedanken in der Fahrgeschwindigkeit im vergangenen Tag verlieren. Im Fensterbild der verschwimmenden Wohngegenden und Straßenlampen holt dich dein Alltag ein. Dann…

‚Ich mag keinen Eintopf‘, sage ich und breche dein Herz.

„Eintopf schmeckt besser, wenn man ihn nochmal aufwärmt“, erklärst du lächelnd und dein Blick erinnert mich an eine längst vergangene Zeit, eben in dieser Kälte, auf diesem Platz, aber eben doch in einer längst vergangenen Zeit.  Ich blicke auf die Eisenbahn auf dem Schlossplatz, ziehe meine Handschuhe an und entscheide mich für einen Schluck vom…

„Nebeneinander nicht Übereinander“

Andere würden diesen Text als ‚Nachruf‘ bezeichnen. Du wolltest unbedingt eine Geschichte, in der du der Held bist, hören oder ein Lied singen. Damals haben wir gesungen. Heute gibt es deine Geschichte. Du willst noch nicht schlafen. Nicht in diesem Bett. Nicht mit dieser Decke und nicht in dieser Nacht. Deine Augen wandern zum hellen…

Der 11. September und die Angst vor Flugzeugen

Wir steigen ein und du senkst den Blick. Deine Augen spiegeln das Bildschirmlicht und unsere Straßenbahn bremst an der nächsten Haltestelle. Deine Daumen wischen über die schnellen Zeilen der heutigen Zeit, über Todesanzeigen, markieren die Herkunft der Täter und übersehen die guten Nachrichten. ‚Deine Daumen können nicht sehen‘, denke ich. Deine Finger sollten vor Angst…

Warum wir nicht Jürgen Elsässer sind.

Liebe Medienwelt, liebe Konsumenten, „Wir können nicht alles auffangen, was Eltern daheim nicht hinbekommen“, jammern Lehrer. Die Medien können nicht die Welt retten und nicht die Wahl bestimmen. Wir müssen über die Glaubwürdigkeit der Medien, den Umgang mit Hasskommentaren und die Qualität unserer Arbeit sprechen, doch ein Compact-Leser wird unseren Artikel nicht liken. Liegt der…

„Deutschland und die Schule ist gut“

Ein Jahr und einige Monate sind seit meinem ersten Arbeitstag vergangen. Für mich wurde der Unterricht zur Normalität, während meine Schüler langsam in einer anderen Welt stranden. Viele der Jugendlichen haben vor drei Monaten ihr Ziel erreicht und bemerkt, dass sie nicht ankommen dürfen. Sie sind in einem Land gestrandet, das sie in ihrem Leben…